Sie unterrichten!?!“- im Klartext heißt dieser Satz oft: „Sie haben es wohl an der Bühne nicht geschafft- stimmliche oder sonstige Probleme?!...“ Oft wird man als Studienabgänger und angehender Gesangspädagoge so „angedacht“, klar ausgesprochen wird es natürlich nie.

Was bedeutet Unterrichten? Als ich im Anfang meines Studium mit 19 angefangen habe, zu unterrichten, war das zugegebenermaßen aus einer gewissen wirtschaftlicher Not heraus- ich dachte, bevor ich in einer rauchigen Kneipe Getränke ausschenke, da versuche ich doch das, was ich schon kann, weiter zu geben- und wie wahr: ich erkannte, dass ich ein paar „Basics“ schon beherrschte und begriff vor allem, dass Unterrichten eine Partnerschaft ist. Der Lehrer lenkt, aber die Verantwortung liegt auf beiden Schultern.

Singen ist zugegebener Maßen eine große Leidenschaft: Die Fähigkeit durch Musik entstehende Gefühle nach außen zu transportieren, sie geradezu körperlich zu spüren, ist ein Wiederfahren, was kaum zu beschreiben ist. Es ist großartig, befreiend und geradezu sinnlich. Dem möchte Jeder, der das Singen zum Beruf gemacht hat, nachgehen- und das sind sehr, sehr Viele…

Jeder junge Sänger, der ein Engagement antritt, denkt „Yeah, ICH HAB ES GESCHAFFT!!!“, so auch ich, als ich meine ersten Engagements antrat- und gleichzeitig hat mich der Bühnenalltag quasi niedergedrückt, ich war konfrontiert mit „funktionieren“ und nicht denken müssen, mit Konkurenzgebarden, die ich naives Ei bisher auf meiner musikalischen Insel so nicht gewohnt war. Dieses Gefühl stritt mit der Erfüllung des Singens- die Lösung war für mich das Unterrichten: So war es mir vergönnt neben meinen erwachsenen Privatschülern, Jungen an der Domsingschule Paderborn zu unterrichten, was neue Horizonte eröffnete. Damals habe ich erkannt, daß darin meine Zukunft liegt. Jeder ist, Gott sei Dank, verschieden und ich habe größten Respekt vor den Menschen in Berufschören und Solisten auf der Bühne. Nach Beendigung des Engagement habe ich nicht versucht bei anderen Bühnen unter zu kommen, sondern meinen ersten Lehrauftrag an der IfM der FH Osnabrück angenommen. Es folgte der Lehrauftrag an meinem „Mutterhaus“, der Hochschule für Musik Detmold.
Singen ist, nach meinen Kindern und meinem Mann, natürlich der elementare Bestandteil meines Lebens, was ich nicht missen möchte und kann, jedoch ist das Unterrichten ein ebenso großes Faszinosum geworden: Eine Stimme an zu leiten, sie manchmal quasi „aufzuschließen“, ist ein großes Privileg, der Student arbeitet gleichzeitig mit seiner Stimme an seiner Persönlichkeit- die man nicht außer Acht lassen kann- denn Stimme ist Stimmungsträger. Diese Verantwortung ist groß, macht aber unendlich viel Spaß, auch wenn Reibungen sein müssen und nicht ausbleiben, aber: Reibung erzeugt Wärme!!!

Durch Klassensingen oder andere Aktivitäten versuche ich das Gemeinschaftsbewusstsein meiner Studenten zu stärken und hoffe, dass sie später das Studium als eine fruchtbringende, schöne Zeit ansehen – denn nur gemeinsam sind wir stark!!!